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Metamorphose von Pflanzenblättern

Christoph Hueck (DE)

Abb. 1: Weg Rauke (Sisymbrium officinale).[8]

Zweikeimblättrige Blütenpflanzen zeigen eine mehr oder weniger ausgeprägte Veränderung der Form ihrer Blätter, ein Phänomen, das Anlass für viele goetheanistische Studien gab. Das Studium der Blattmetamorphose ist eine besonders gute Möglichkeit, bewegliches und anschauendes Denken zu üben, das dazu geeignet ist, die Gestaltungskräfte von Lebewesen im Allgemeinen zu erfassen.


Abb. 1 zeigt das Beispiel der Weg Rauke und die Galerie enthält viele weitere Beispiele aus goetheanistischen Veröffentlichungen. In den meisten Fällen sind die Blätter in einer Schleife angeordnet, sodass unten links die unteren Blätter und unten rechts das letzte obere Blatt vor dem Kelch zu sehen sind.

Abb. 2: Unteres und oberes Blatt der Gewöhnlichen Gänsedistel.[1]

Die Metamorphose folgt in all diesen Fällen ähnlichen Gestaltungsprinzipien. Die unteren Blätter haben einen langen Blattstiel, der nach oben hin immer kürzer wird. Die Blattspreite breitet sich zunächst in rundlichen Formen aus, wird dann immer differenzierter und verschwindet schließlich in immer spitzeren Formen. Bei der Gemüse-Gänsedistel (Sonchus oleraceus) verbreitert sich auch die Blattbasis nach oben, so dass es zu einer völligen Umkehrung der Bildung zwischen Unter- und Oberblatt kommt (Abb. 2).

Die 4 Blattbildungsprozesse [7, vgl. 1, 2]

Goethe beschrieb die Blattmetamorphose im Allgemeinen als Ausdehnung und Zusammenziehung. Jochen Bockemühl hat die blattbildenden Tätigkeiten ausführlicher beschrieben und sie als „Stielen“, „Spreiten“, „Gliedern“ und „Spitzen“ bezeichnet.[2] Damit sind nicht die festen Formen der Blätter gemeint, sondern die aktiv formenden Prinzipien. Sie müssen in innerer Aktivität erfasst und erlebt werden.





Die letzten beiden Bilder in der Galerie zeigen den kontinuierlichen Übergang der Formen vom Laub zum Blütenblatt, zum Staubblatt und zum Fruchtblatt bei der Pfingstrose. Das letzte Bild zeigt eine gefüllte Pfingstrose, bei der sich sogar die Fruchtblätter noch einmal in Blütenblätter verwandeln, bevor die Metamorphose schließlich mit sehr kleinen Fruchtblättern endet (aus Suchantke 1982[5]). Beachten Sie, dass es einen Sprung zwischen den Staubgefäßen und den Fruchtblättern gibt (Pfeile); Die Trennung in die beiden Geschlechter erfolgt nicht kontinuierlich, sondern abrupt.



Literatur:


[1] Bockemühl, Jochen: In: Goetheanistische Naturwissenschaft II. Botanik. Stuttgart 1982a, S. 7–16.


[2] Bockemühl, Jochen: Bildebewegungen im Laubblattbereich höherer Pflanzen. In: Goetheanistische Naturwissenschaft II. Botanik. Stuttgart 1982b, S. 17–35.


[3] Bockemühl, Jochen: Die Bildebewegungen der Pflanzen. In: Erscheinungsformen des Ätherischen. Wege zum Erfahren des Lebendigen in Natur und Mensch. Stuttgart 1985, S. 107-134.


[4] Suchantke, Andreas: Metamorphose, Kunstgriff der Evolution. Stuttgart 2002; Rispens, Jan Albert: Bäume verstehen lernen. Ein goetheanistisch-anthroposophischer Schulungsweg an der Natur. Stuttgart 2014, S. 33.


[5] Suchantke, Andreas: In: Goetheanistische Naturwissenschaft II. Botanik. Stuttgart 1982, S. 55–81.


[6] Hoerner, Erdmut-M.W.: Der Goetheanismus und die Wiedergewinnung der Trinität. Ein urchristlicher Impuls. Stuttgart 2018, S. 37.


[7] Hoffmann, Nigel: Goethe's Science of the living form. The artistic stages. 3rd ed., Hillsdale, NY 2022.


[8] Hoffmann, Nigel: The university at the threshold. Orientation through Goethean science. Forest Row 2020.


[9] Brady, Ronald H.: The idea in nature. Rereading Goethe's organics. In: Goethe's way of science. A phenomenology of nature. N.Y. 1998, p. 94.

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